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GAEB – der Standard für den digitalen Bauprozess

Was ist GAEB und warum ist es wichtig?

Was ist GAEB?

GAEB steht für "Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen". Es handelt sich dabei sowohl um ein Gremium als auch um einen Standard für den elektronischen Austausch von Bauinformationen. Ziel des GAEB ist es, die Rationalisierung und Digitalisierung im Bauwesen durch einheitliche Datenformate zu fördern.

Warum GAEB?

Im Bauwesen sind viele Akteure beteiligt: Planer, Architekten, Bauunternehmen, Handwerker, Lieferanten und Auftraggeber. Um Missverständnisse zu vermeiden und Prozesse effizient zu gestalten, ist ein standardisierter Datenaustausch essenziell. Genau hier setzt GAEB an: Es ermöglicht die strukturierte und verlustfreie Übertragung von Leistungsverzeichnissen, Angeboten, Aufträgen und Abrechnungen.

Vorteile von GAEB

  • Standardisierung: Alle Beteiligten arbeiten mit denselben Datenstrukturen.
  • Fehlerminimierung: Weniger Übertragungsfehler durch Wegfall manueller Eingaben.
  • Zeitersparnis: Automatisierte Prozesse beschleunigen die Projektabwicklung.
  • Vergleichbarkeit: Angebote lassen sich einfacher vergleichen und auswerten.
  • Kompatibilität: Viele Softwarelösungen unterstützen GAEB-Formate.

Typische Anwendungen

GAEB-Dateien werden in folgenden Bereichen eingesetzt:

  • Ausschreibungen: Planer erstellen Leistungsverzeichnisse im GAEB-Format X83.
  • Kalkulation: Bieter importieren die GAEB-Datei in ihre Software und geben ein Angebot im GAEB-Format X84 ab.
  • Vergabe: Auftraggeber vergleichen die Angebote und vergeben den Auftrag.
  • Abrechnung: Leistungen werden dokumentiert und abgerechnet – ebenfalls über GAEB-Dateien.

GAEB-Dateiformate und Austauschphasen

GAEB-Dateien sind in verschiedene Austauschphasen unterteilt, die den Bauprozess digital abbilden. 

Hier einige konkrete Beispiele:

Phase 81 – Leistungsbeschreibung (X81)
Beispiel: Ein Architekt erstellt ein Leistungsverzeichnis für den Rohbau eines Mehrfamilienhauses. Die Datei enthält Positionen wie:

Pos. 01.01: Betonieren der Bodenplatte, 150 m², C25/30
Pos. 01.02: Schalung für Bodenplatte, 150 m²
Pos. 01.03: Bewehrung verlegen, 1.200 kg
Diese Datei wird im GAEB-Format X81 gespeichert und an potenzielle Bieter versendet.

Phase 84 – Angebotsabgabe (X84)
Beispiel: Ein Bauunternehmen importiert die X81-Datei in seine Kalkulationssoftware, ergänzt Preise und gibt ein Angebot ab:

Pos. 01.01: 150 m² × 120 €/m² = 18.000 €
Pos. 01.02: 150 m² × 45 €/m² = 6.750 €
Pos. 01.03: 1.200 kg × 1,20 €/kg = 1.440 €
Das Angebot wird im GAEB-Format X84 zurückgesendet.

Phase 86 – Auftragserteilung (X86)
Beispiel: Der Auftraggeber wählt das günstigste Angebot aus und sendet eine X86-Datei mit den beauftragten Positionen und Preisen zurück. Diese Datei dient als digitale Auftragsbestätigung.

Phase 89 – Abrechnung (X89)
Beispiel: Nach Baufortschritt meldet das Bauunternehmen:

Pos. 01.01: 100 m² ausgeführt
Pos. 01.02: 150 m² ausgeführt
Pos. 01.03: 1.000 kg ausgeführt
Diese Mengen werden in einer GAEB-X89-Datei übermittelt und dienen als Grundlage für die Rechnungsstellung.

Weitere praktische Beispiele:

Beispiel 1: Öffentliche Ausschreibung
Ein kommunales Bauamt schreibt den Neubau einer Schule aus. Die Ausschreibung erfolgt über eine X83-Datei, die auf der Vergabeplattform veröffentlicht wird. Bauunternehmen laden die Datei herunter, kalkulieren ihr Angebot und reichen eine GAEB-X84-Datei ein.

Beispiel 2: Handwerksbetrieb
Ein Elektriker erhält von einem Generalunternehmer eine X81-Datei mit den Elektroarbeiten für ein Bürogebäude. Er importiert die Datei in seine Handwerkersoftware, kalkuliert die Preise und sendet eine GAEB-X84-Datei zurück. Nach Auftragserteilung erhält er eine X86-Datei und später erstellt er eine GAEB-X89-Datei zur Abrechnung.

Beispiel 3: BIM-Integration
Ein Planungsbüro nutzt ein BIM-Modell, aus dem automatisch ein Leistungsverzeichnis generiert wird. Dieses wird als GAEB DA XML (X81) exportiert und in die Ausschreibungssoftware übernommen. So wird der digitale Planungsprozess nahtlos mit der Ausschreibung verknüpft.

 

Was ist GAEB XML?

GAEB XML ist ein standardisiertes, maschinenlesbares Datenformat, das auf XML (Extensible Markup Language) basiert. Es ermöglicht den Austausch komplexer Bauinformationen in strukturierter Form.

Ein typisches GAEB XML-Dokument besteht aus mehreren Elementen, die die verschiedenen Datenbereiche abbilden. Hier eine vereinfachte Übersicht:

<GAEB>
 <Projekt>
   <Projektname>Neubau Schulzentrum</Projektname>
   <Projektnummer>12345</Projektnummer>
 </Projekt>
 <Leistungen>
   <Leistung>
     <Positionsnummer>001</Positionsnummer>
     <Beschreibung>Betonfundament</Beschreibung>
     <Menge>100</Menge>
     <Einheit>m³</Einheit>
     <Preis>150</Preis>
   </Leistung>
   <Leistung>
     <Positionsnummer>002</Positionsnummer>
     <Beschreibung>Wände aus Ziegel</Beschreibung>
     <Menge>200</Menge>
     <Einheit>m²</Einheit>
     <Preis>50</Preis>
   </Leistung>
 </Leistungen>
</GAEB>

Dieses Beispiel zeigt eine einfache Struktur, in der die wichtigsten Daten eines Leistungsverzeichnisses enthalten sind: Projektname, Positionsnummern, Beschreibungen, Mengen, Einheiten und Preise.

Vorteile des GAEB XML-Formats

  • Automatisierte Verarbeitung: Software kann die Daten direkt lesen und weiterverarbeiten
  • Interoperabilität: Verschiedene Programme und Systeme können Daten austauschen
  • Fehlerreduktion: Weniger manuelle Eingaben, weniger Missverständnisse

Beispielanwendung: Angebotsvergleich mit GAEB XML
Ein Bauunternehmen erhält eine Ausschreibung im GAEB XML-Format. Es kann die Daten in die eigene Kalkulationssoftware importieren, Preise hinzufügen, Angebote erstellen und direkt wieder im gleichen Format exportieren. Das erleichtert den Vergleich verschiedener Angebote erheblich.

GAEB DA XML 3.3 Austauschphasen

Bei der Bearbeitung der Bauprojekte mittels einer AVA-Software fallen Unmengen von Daten und Informationen an, von der ersten Kostenschätzung, über Leistungsverzeichnisse, Mengenberechnungen, Bieterangebote oder Auftrags- sowie Abrechnungsdaten usw. 

Um diese Informationen für alle am Projekt Beteiligten korrekt austauschbar zu machen, gibt es GAEB DA XML. Somit wird ein einheitlicher Standard für den Austausch dieser Informationen sichergestellt und damit alle Anforderungen an elektronische Prozesse zur Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung bei der Durchführung von Baumaßnahmen unterstützt.

X81 Leistungsbeschreibung
Die Leistungsbeschreibung besteht aus der Baubeschreibung, dem Leistungsverzeichnis und den notwendigen Anlagen. Das Leistungsverzeichnis besteht aus den nach Ordnungszahlen geordneten Beschreibungen der Teilleistungen mit ihren Attributen. Es enthält in der Regel keine Preise (Ausnahme: Zeitvertragsarbeiten).

X82 Kostenanschlag
Der Kostenanschlag besteht aus dem Leistungsverzeichnis mit geschätzten Preisen. Er dient der Vergabeentscheidung und ist bei Fortschreibung der Kosten Grundlage für die Kostenkontrolle während der Bauausführung.

X83 Angebotsaufforderung
Nach fachlicher Abstimmung wird das Leistungsverzeichnis ohne Preise (Ausnahme: Zeitvertragsarbeiten) den an der Ausführung der Bauleistung interessierten Unternehmen mit der Aufforderung zur Angebotsabgabe übergeben.

X84 Angebotsabgabe
Die Bieter, die sich an dem Angebotsverfahren beteiligen, ergänzen das Leistungsverzeichnis mit ihren Preisen, Bietertextergänzungen und freien Mengen und senden es als Angebot an die ausschreibende Stelle zurück. Der Zeitpunkt für die Abgabe des Angebots ist in der Angebotsaufforderung fest vorgegeben.

X85 Nebenangebot
Zusätzlich zum Hauptangebot kann der Bieter ein Nebenangebot mit alternativen Ausführungsarten abgeben. Ob ein Nebenangebot zugelassen ist, entscheidet der Auftraggeber.

X86 Auftragserteilung
Auf Basis der von den Bietern abgegebenen Angebote wird der Auftrag gemäß der Entscheidung des Auftraggebers zur Ausführung vergeben. Diese Phase beinhaltet gegebenenfalls auch beauftragte Nachtragsleistungen.

Softwareunterstützung

Es gibt zahlreiche Programme, die GAEB-Dateien verarbeiten können. Diese lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

  • Ausschreibungssoftware für Planer und Architekten
  • Kalkulationssoftware für Handwerker und Bauunternehmen
  • ERP-Systeme für Hersteller und Händler

California-Modul DAT – GAEB-Schnittstelle für den elektronischen Datenaustausch
 

Import und Export von GAEB-Daten über die GAEB-Schnittstelle für LV, Kostenberechnung, Angebot, Auftrag und mehr. Das California-Modul DAT sorgt für den reibungslosen, zertifizierten Datenaustausch nach GAEB zwischen der AVA-Software California und Fremdprogrammen von Auftraggebern, Auftragnehmern, Planern, Projektsteuerern, Herstellern, Datenlieferanten und Anderen.

DAT für elektronischen Datenaustausch

  • GAEB-Schnittstelle für den elektronischen Datenaustausch. Import und Export von GAEB-Daten für LV, Kostenberechnung, Angebot, Auftrag und mehr.
  • Zertifizierter Datenaustausch nach GAEB zwischen Herstellern, Planern, Auftraggebern, Auftragnehmern; Schnittstelle zu pro-Plan Bauzeitenplanung

Informationen zum California-Modul DAT

California für GAEB DA XML zertifiziert

Bei der Bearbeitung der Bauprojekte mittels einer AVA-Software fallen Unmengen von Daten und Informationen an, von der ersten Kostenschätzung, über Leistungsverzeichnisse, Mengenberechnungen, Bieterangebote oder Auftrags- sowie Abrechnungsdaten usw.

California hat die GAEB Zertifizierungen für die Bereiche "AVA", "Bauausführung" und "Mengenermittlung".

Im Prüfungsprozess muss die zu zertifizierende Software anhand von Musterdateien den korrekten Import und Export von Leistungsverzeichnissen und Angebotsdaten bis hin zum Auftrags-LV – also von der Datenart 81 bis zur Datenart 86 – am praktischen Beispiel nachweisen. Außerdem gibt es eine Vielfalt von einzelnen Prüfungskriterien, anhand derer die korrekte Verarbeitung der Daten geprüft wird.

Für Import und Export gibt es einheitliche GAEB-Musterdateien, für den Abgleich der Daten ein GAEB-Muster-LV.

Mehr zu den Zertifizierungen

Fazit

GAEB ist ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Bauprozesse. Der Standard sorgt für Transparenz, Effizienz und Nachvollziehbarkeit – und das über alle Projektphasen hinweg. Wer im Bauwesen tätig ist, sollte sich mit GAEB vertraut machen und entsprechende Softwarelösungen einsetzen.

Häufig gestellte Fragen zum GAEB

GAEB ist ein Standard zur digitalen Kommunikation im Bauwesen, insbesondere für die Prozesse der Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung (AVA). Architekten und Ingenieure nutzen GAEB-Dateien, um Leistungsverzeichnisse zu erstellen und diese effizient mit Bauunternehmen auszutauschen. Der Vorteil liegt in der strukturierten, maschinenlesbaren Form, die eine fehlerfreie Weiterverarbeitung in AVA-Software ermöglicht. So können z. B. Mengen, Texte und Preise automatisiert verarbeitet und verglichen werden. GAEB fördert die Interoperabilität zwischen verschiedenen Softwarelösungen und reduziert manuelle Eingaben und Fehlerquellen.

Es gibt drei Hauptgenerationen von GAEB-Formaten:

  • GAEB 90: Ein älteres, textbasiertes Format, das heute noch in einigen Alt-Systemen verwendet wird. Es ist weniger flexibel und nicht XML-basiert.
  • GAEB 2000: Einführung einer XML-Struktur, besser geeignet für moderne Anwendungen, aber nicht vollständig kompatibel mit GAEB XML.
  • GAEB XML: Der aktuelle Standard, basiert vollständig auf XML und ist für die digitale Bauabwicklung optimiert. Es unterstützt komplexe Strukturen, wie z. B. Hierarchien von Positionen, Varianten und Alternativen. 
    Für Architekten und Ingenieure ist GAEB XML besonders relevant, da es zukunftssicher ist und sich gut in BIM-Workflows integrieren lässt.

GAEB-Dateien haben unterschiedliche Typen, je nach Prozessschritt:

  • X81: Leistungsverzeichnis (vom Planer erstellt)
  • X82: Angebot (vom Bieter ausgefüllt)
  • X83: Angebotsaufforderung (vom Planer an Bieter gesendet)
  • X84: Zuschlag (vom Planer an den ausgewählten Bieter)
  • X85: Abrechnung (vom Bieter zur Abrechnung eingereicht)

Diese Struktur ermöglicht eine durchgängige digitale Kommunikation. Ein Architekt erstellt z. B. ein X81-Leistungsverzeichnis, versendet es als X83, erhält X82-Angebote zurück und vergibt den Auftrag per X84.

In AVA-Programmen wie California gibt es meist eine Importfunktion für GAEB-Dateien. Sie wählen z. B. eine Datei mit der Endung *.X83 (Angebotsaufforderung) aus, und das Programm wandelt sie in ein Leistungsverzeichnis um. Dabei werden die Positionen, Mengen, Texte und Einheiten automatisch übernommen. Wichtig ist, dass Sie beim Import das richtige Format wählen (z. B. GAEB XML statt GAEB 90), damit die Daten korrekt interpretiert werden. Nach dem Import können Sie das LV weiter bearbeiten, z. B. Mengen anpassen oder Positionen ergänzen.

Nutzen Sie eine zertifizierte AVA-Software, die GAEB unterstützt. Achten Sie darauf, dass:

  • Positionen klar strukturiert sind (z. B. Titel, Kurztext, Langtext, Menge, Einheit, Einheitspreis).
  • Keine Sonderzeichen oder Formatierungen verwendet werden, die GAEB nicht unterstützt.
  • Die Hierarchie der Positionen logisch aufgebaut ist (z. B. Gliederung nach Gewerken).
  • Die Datei im richtigen Format exportiert wird (z. B. X81 für das LV).

Ein GAEB-konformes LV erleichtert die Angebotsabgabe für Unternehmen und reduziert Rückfragen.


GAEB XML-Dateien sind technisch gesehen XML-Dateien und können mit einem XML-Editor geöffnet und bearbeitet werden. Allerdings ist das sehr fehleranfällig, da die Struktur komplex ist und Validierungen fehlen. Eine manuelle Bearbeitung ist nur für Experten mit Kenntnissen in XML und GAEB-Spezifikationen empfehlenswert. Für Architekten und Ingenieure ist es sicherer, die Dateien über ihre AVA-Software (z.B. California) zu bearbeiten, da diese die Struktur automatisch prüft und validiert.

Nicht alle Unternehmen arbeiten mit GAEB. In solchen Fällen können Sie:

  • Das LV zusätzlich als PDF oder Excel bereitstellen.
  • Die Angebote manuell erfassen oder in die AVA-Software übertragen.
  • Eine Konvertierung des Angebotsformats vornehmen (z. B. Excel → GAEB über Konvertertools).  

Einige AVA-Programme bieten auch die Möglichkeit, aus Excel-Dateien GAEB-konforme Angebote zu generieren. Wichtig ist, dass die Struktur erhalten bleibt, damit ein Vergleich möglich ist.

Eine AVA-Software kann mehrere X82-Dateien einlesen und automatisch vergleichen. Dabei werden:

  • Einheitspreise und Gesamtpreise gegenübergestellt.
  • Abweichungen bei Mengen oder Texten hervorgehoben.
  • Plausibilitätsprüfungen durchgeführt (z. B. ungewöhnlich niedrige Preise).

Sie können auch Mittelwerte bilden oder die günstigsten Positionen markieren. Das spart Zeit und erhöht die Transparenz bei der Vergabeentscheidung. Einige Programme bieten sogar grafische Auswertungen oder Preisverlaufskurven.

Die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) ist das zentrale Regelwerk für Bauvergaben in Deutschland. Sie besteht aus drei Teilen:

  • VOB/A: Regelungen zur Ausschreibung und Vergabe
  • VOB/B: Vertragsbedingungen für Bauleistungen
  • VOB/C: Technische Vertragsbedingungen

GAEB-Dateien kommen ausschließlich bei Vergaben nach VOB/A und VOB/A-EU zum Einsatz. Die VOB/A erlaubt dem Auftraggeber gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 1, bestimmte Formvorgaben für die Angebotsabgabe zu machen – darunter auch die Pflicht zur Einreichung im GAEB-Format. Der Bundesgerichtshof hat bestätigt, dass solche Formatvorgaben zulässig sind, solange sie nicht diskriminierend sind.

Bei öffentlichen Bauausschreibungen ist die Verwendung von GAEB-Dateien weit verbreitet. Sie ermöglichen:

  • Einheitliche Angebotsformate
  • Automatisierte Auswertung durch Software
  • Vergleichbarkeit der Angebote
  • Effizienz in der Vergabeprüfung

Ein Bieter, der z. B. statt einer GAEB-Datei nur ein PDF einreicht, kann vom Verfahren ausgeschlossen werden – selbst wenn sein Angebot das günstigste ist.

Die EU-Richtlinie 2014/24/EU regelt die öffentliche Auftragsvergabe in Europa und fordert:

  • Transparenz
  • Gleichbehandlung
  • Nichtdiskriminierung
  • Nutzung allgemein verfügbarer, kompatibler elektronischer Mittel

Hier entsteht ein Spannungsfeld: GAEB ist ein deutscher Standard, der außerhalb Deutschlands kaum verbreitet ist. Die Richtlinie verlangt jedoch, dass elektronische Mittel nicht diskriminierend und allgemein verfügbar sein müssen. Daher ist umstritten, ob GAEB-Dateien mit EU-Recht vereinbar sind.

GAEB kann auf mehreren Ebenen zur besseren Ressourcenplanung und CO₂-Reduktion im Bauwesen beitragen – insbesondere durch die Integration von Nachhaltigkeitsdaten in den digitalen Ausschreibungsprozess:

1. Integration von CO₂- und Ökodaten in GAEB-Dateien
Der BVBS (Bundesverband Software und Digitalisierung im Bauwesen e.V.) hat einen Entwurf vorgelegt, um CO₂- und Nachhaltigkeitsdaten direkt in die XML-Struktur des GAEB-Austauschformats (GAEB DA XML 3.3) einzubinden. Damit können:

  • Bauprodukte hinsichtlich ihrer ökologischen Qualität bewertet werden
  • Nachhaltigkeitsdaten automatisiert in AVA- und BIM-Software verarbeitet werden
  • Entscheidungen über Materialien (z. B. Holz vs. Beton) auf Basis ihres CO₂-Fußabdrucks getroffen werden

2. Vergleich von Materialien nach CO₂-Bilanz
Mit Tools wie GAEB365/Aufmaß365 können Planer den CO₂-Wert einzelner Positionen ermitteln – ähnlich wie beim Einheitspreis. So lässt sich z. B. für eine Wandkonstruktion prüfen, ob Holz, Kalksandstein oder Beton die geringste CO₂-Belastung verursacht. 

3. Lebenszyklusbetrachtung
GAEB kann durch die strukturierte Erfassung von Bauleistungen die Grundlage für eine Lebenszyklusbetrachtung schaffen. Diese umfasst:

  • Rohstoffgewinnung
  • Herstellung
  • Transport
  • Nutzung
  • Rückbau und Recycling

Solche Betrachtungen sind essenziell, da die „graue Energie“ – also die Energie, die in Materialien und Bauprozessen steckt – bei modernen Gebäuden bis zu 50 % der Gesamtemissionen ausmachen kann.

4. Beitrag zu EU-Klimazielen
Die Einbindung von Nachhaltigkeitsdaten in GAEB unterstützt die Umsetzung der EU-Bauproduktenverordnung und der EU-Taxonomie, die eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 55 % bis 2030 fordert.

Vorteile für die Praxis:

  • Transparenz bei der Materialwahl
  • Automatisierte Nachhaltigkeitsbewertung
  • Förderfähigkeit durch Nachweis ökologischer Standards
  • Effizientere Ressourcenplanung durch digitale Stücklisten und Mengenansätze

GAEB wird bei grenzüberschreitenden Bauprojekten zunehmend relevant, insbesondere im Kontext der Digitalisierung und Standardisierung von Bauprozessen in Europa. Hier sind die wichtigsten Aspekte:

1. GAEB als nationaler Standard mit internationaler Relevanz
GAEB (Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen) ist ein deutscher Standard für den elektronischen Datenaustausch im Bauwesen. Er wurde ursprünglich für den Einsatz im Rahmen der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) entwickelt, ist aber durch seine XML-basierte Struktur auch international kompatibel. 

2. GAEB DA XML – Brücke zur internationalen Zusammenarbeit
Die aktuelle Version GAEB DA XML 3.3 enthält Funktionen, die den Austausch von Bauinformationen auch in internationalen Projekten erleichtern:

  • Referenzierbare Objekte für BIM-Modelle: erleichtert die Integration in internationale BIM-Standards.
  • Mehrsprachigkeit und Währungsangaben: unterstützt die Anpassung an unterschiedliche Länderanforderungen.
  • Modularer Aufbau: erlaubt die Nutzung einzelner Austauschphasen wie Angebotsaufforderung (X83), Auftragserteilung (X86) oder Rechnung (X89) auch in nicht-deutschen Kontexten.

3. Herausforderungen bei grenzüberschreitender Nutzung
Trotz technischer Offenheit gibt es einige Hürden:

  • Rechtsrahmen: GAEB ist eng mit der VOB verknüpft, die außerhalb Deutschlands nicht gilt.
  • Softwarekompatibilität: Nicht alle internationalen AVA- oder ERP-Systeme unterstützen GAEB nativ.
  • Normenkonflikte: Unterschiede zwischen nationalen und europäischen Normungsverfahren können zu Inkonsistenzen führen.

4. Lösungsansätze

  • Mapping auf internationale Standards wie IFC (Industry Foundation Classes) oder CEN-Normen.
  • Verwendung von GAEB als internes Austauschformat, das in andere Formate exportiert wird.
  • Kooperation mit internationalen Softwarehäusern, um GAEB-Kompatibilität zu erweitern.

Vorteile bei internationaler Anwendung

  • Einheitliche Ausschreibungsstruktur
  • Automatisierte Angebotsauswertung
  • Transparente Dokumentation
  • Potenzial zur Integration in EU-weite Vergabeplattformen

GAEB und KI bilden eine zunehmend leistungsstarke Kombination, die die automatisierte Erstellung von Leistungsverzeichnissen (LVs) durch die Analyse von Bauplänen und BIM-Modellen revolutioniert. Hier sind die wichtigsten Entwicklungen und Anwendungen:

1. KI-gestützte LV-Erstellung aus Bauplänen und BIM-Modellen
Moderne AVA-Software wie CaliforniaX nutzt KI-Algorithmen, um aus digitalen Bauwerksmodellen (IFC-Dateien) automatisch Mengen, Bauteile und Leistungspositionen zu extrahieren. Die Vorteile:

  • Automatische Mengenermittlung direkt aus dem Modell
  • Parametrische Preisfindung basierend auf Bauteilmerkmalen (z. B. Fenstergröße)
  • Verknüpfung mit GAEB-Formaten für den standardisierten Austausch

2. Datenbankintegration und semantische Analyse
KI-Systeme greifen auf Text- und Preisdatenbanken wie STLB-Bau, DBD-BauPreise oder Sirados zu. Sie erkennen semantische Zusammenhänge zwischen Bauteilen und Leistungspositionen und schlagen passende LV-Texte vor – inklusive CO₂-Werten oder Nachhaltigkeitskennzahlen.

3. Vorteile für Architekten und Planer

  • Zeitersparnis bei der LV-Erstellung
  • Fehlerreduktion durch automatische Prüfung
  • Standardisierung durch GAEB-konforme Ausgabe
  • Nachhaltigkeitsbewertung durch Integration von Ökodaten

Zukunftsausblick
Die Kombination aus GAEB und KI wird künftig noch stärker mit BIM, CO₂-Bilanzen, Smart Contracts und automatisierter Vergabe verknüpft. Ziel ist ein vollständig digitaler, nachhaltiger und effizienter Bauprozess.
 

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