Architekt hält Kostenplan nicht ein - Schadenersatz für Bauherrn

Am 3. Mai 2007 veröffentlichte das Justizportal des Landes Nordrhein-Westfalen eine für Bauherren wie für Architekten wichtige brandaktuelle Entscheidung.

Architekten können nach einem Urteil des Kölner Oberlandesgerichts zu Schadenersatz verpflichtet werden, wenn sie verbindlich vereinbarte Kosten deutlich überschreiten. Die Richter bestätigten damit eine Entscheidung des Aachener Landgerichts.

Die Veröffentlichung auf dem Justizportal des Landes Nordrhein-Westfalen finden Sie hier.

Erhebliche Überschreitung der Bausumme «objektiv pflichtwidrig»

Nach dem Urteil ist eine Überschreitung der Bausumme um rund ein Drittel «objektiv pflichtwidrig» und «schuldhaft» (Az: 19 U 128/06), wie ein Sprecher des Oberlandgerichts am Donnerstag in Köln über den Beschluss mitteilte.

Der Fall
Eine Gruppe von Bauherren hatte rund 280 000 Euro Schadenersatz von einem Architekten gefordert, nachdem der Bau eines Bürohauskomplexes in Düren 34 Prozent teurer wurde als kalkuliert. Das Gericht erkannte einen Architekten für schuldig, der bei der Kostenplanung so viele Posten falsch oder nicht berechnet hatte, dass die Bausumme schließlich ein Drittel höher lag, als ursprünglich von ihm angenommen.

Vorab hatte der Architekt den privaten Bauherren zugesichert, er habe die Kosten auf fünf Prozent genau ermittelt. Im Vertrauen auf die Kostenzusage beauftragten die Bauherren sein Büro. Mit dem Fortschreiten des Baus tauchten immer mehr unvorhergesehene Kosten auf. Nachdem der Architekt den Bauherren die Endabrechnung inklusive Honorarforderung präsentierte, klagten die Bauherren. Die Richter erkannten eine Bausummenüberschreitung „jenseits aller Toleranzgrenzen“ und stellten eine Vertragsverletzung fest.

Vom Aachener Landgericht hatten die Investoren rund 102 000 Euro zugesprochen bekommen. Der Architekt hatte dagegen Berufung eingelegt, die nun abgewiesen wurde.

Seine Falschprognose kostete den Architekten schließlich viel Geld: Der Fehlbetrag, der über die ursprünglich veranschlagte Bausumme hinausging und nicht eindeutig auf fremdes Verschulden zurückgeführt werden konnte, wurde ihm in voller Höhe angelastet. 

Konsequenzen für Bauherren und Planer

„Dieses Urteil stärkt die Rechte privater Bauherren und macht gleichzeitig das Bauen mit einem Architekten wieder attraktiver“, sagte der Baurechtsexperte von Haus & Grund, Dr. Kai H. Warnecke. Kostensicherheit sei einer der wesentlichen Faktoren für Bauherren bei der Auswahl ihres Vertragspartners.

Nach diesem Urteil wird jedem noch so kreativ orientierten Architekten bewusst geworden sein, dass die "angeborenen Werkzeuge für die Kostenplanung", nämlich der Daumen zum Peilen und der Bauch für Kostenschätzung nach Gefühl, nicht ausreichen. Kostenschätzung schnell mal über Kubikmeter umbauter Raum oder Nutzfläche, vielleicht die Ergebnisse dekorativ in Excel dargestellt, später die Kostenüberraschung bei Nutzung eines klassischen AVA-Programm für die Ausschreibung und den Preisspiegel, das ist nach höchstrichterlicher Auffassung nunmehr definitiv nicht mehr zeitgemäß.

Die Architektenkammern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, die ja schon seit Jahrzehnten mit ihren Baukostenberatungsdiensten wichtige Aufklärungsarbeit geleistet haben, werden hier eine - wenn auch späte -erfreuliche Bestätigung für die Richtigkeit ihrer langjährig vertretenen Philosophie erfahren.

Kostenplanung, AVA und Baucontrolling als ganzheitlichen Prozess

G&W Software Entwicklung unterstützt seit der ersten Lösung aus dem Jahre 1978 die Aufgabenstellung Kostenplanung, AVA und Baucontrolling als ganzheitlichen Prozess und bietet mit California.pro heute die führende Lösung für diese komplexe Aufgabenstellung an.

Von der fundierten Kostenschätzung bis zur Dokumentation des abgeschlossenen Bauvorhabens haben Sie die (planbaren) Kosten immer im Griff. So sind Sie und Ihre Bauherren mit California.pro auf der sicheren Seite.